Geschichte der Juden in Randegg

Bis 1938 bestand in Randegg eine jüdische Gemeinde. Ihre Entstehung geht in die Zeit Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Um 1656 konnten sich die ersten Juden ansiedeln. Bereits vor 1800 hatte Randegg eigene Ortsrabbiner. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Gailingen zugeteilt. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1849 mit 351 Personen erreicht (etwa 45 % der Gesamteinwohnerschaft). Danach ging sie durch Aus- und Abwanderung langsam zurück, sodass 1900 noch 179 jüdische Einwohner am Ort lebten. Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Vieh- und Pferdehandel und betrieben nebenher Landwirtschaft. 1933 gab es außer den Vieh- und Pferdehandlungen an jüdischen Ladengeschäften ein Kleidergeschäft und ein Manufakturwarengeschäft. Auch ein jüdischer Arzt praktizierte bis vor 1933 in Randegg.

Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Randegg wohnhaften 62 jüdischen Personen mindestens 23 ums Leben.

Nach der Überlieferung bestand am Ort bereits seit dem 17. Jahrhundert eine hölzerne Synagoge.

Um 1810 wurde eine neue Synagoge erbaut. Im Synagogengebäude gab es neben dem Betsaal auch eine an die frühere Hauptstraße (Otto-Dix-Straße) angrenzende Wohnung für den Rabbiner beziehungsweise den Lehrer/Vorsänger. An der Ostseite des Gebäudes befand sich neben dem Betsaal noch ein "Cheder", das als Schul- und Studierzimmer diente. Hier war auch die Gemeindebücherei untergebracht.

Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Synagoge noch einmal umfassend renoviert.

Beim Novemberpogrom 1938 erschien in Randegg, von Gailingen kommend, ein SS-Kommando aus Radolfzell. Dem amtierenden Bürgermeister Emil Schneble wurde verboten, das Haus zu verlassen. Eine SS-Wache wurde ihm vor die Haustüre gestellt. Schneble legte kurze Zeit darauf sein Amt nieder. Die noch in Randegg lebenden Juden mussten sich versammeln und wurden in die Kastenwagen der SS, die bei der Bachbrücke abgestellt waren, eingesperrt. Die Feuerwehr wurde alarmiert, um die Wohnhäuser um die Synagoge abzuschirmen. Die Anlieger der Synagoge wurden aufgefordert, die Fensterläden zu schließen und die Fenster zu öffnen, weil die Synagoge gesprengt würde. In der Synagoge wurden, nachdem die Tür eingerammt war, Sprengkörper gelegt. Die Sprengung brachte die Decke der Synagoge zum Einsturz; auch die an die Synagoge anstoßende Wand des Rabbinerhauses stürzte ein. Wenig später wurde die Ruine abgebrochen.

Am 9. Juni 1968 wurde in der Otto-Dix-Straße der "Synagogenplatz" als Gedenkstätte mit einem Gedenkstein eingeweiht, der die Inschrift trägt: "Hier stand die Synagoge der israelitischen Gemeinde Randegg. Sie wurde am 10. November 1938 unter der Herrschaft der Gewalt und des Unrechts zerstört". Zu der Einweihungsfeier waren Vertreter der Behörden, Landrat, Bürgermeister und Gemeinderäte sowie der Ortspfarrer anwesend. Eine Gedenkrede hielt der in Randegg 1883 geborene spätere Konstanzer Frauenarzt Dr. Samuel (Semi) Moos, der bereits 1933 emigriert war. Dr. Moos starb 1984 im Alter von 101 Jahren und ist in Konstanz beigesetzt.

Diese Informationen stammen von der Homepage der Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum (Alemannia Judaica)